Partizipativer Supermarkt in Wien

Ein Licht anzünden für einen partizipativen Supermarkt in Wien

ein Licht anzünden für den partizipativen Supermarkt in Wien
Bild: Nikkolo Feuermacher 2018

Am 2. Juni 2020 legt der Obmann von Vor-Mila, Klaus Kirchner, sein Amt nieder. Er bleibt laut Vereins-Statuten in der Funktion bis eine neue Obfrau, ein neuer Obmann bestimmt sind.

Gründungsversammlung Vor-Mila 2020

Gründung. Bild: Nikkolo Feuermacher 2020

Am 17. Jänner 2020 wurde im Amerlinghaus / Wien von 25 Anwesenden der Verein Vor-Mila. gegründet, der ab sofort Menschen sammelt, die den partizipativen Supermarkt MILA in Wien Wirklichkeit werden lassen wollen.
Amerlinghaus / Galerie 2020:
Menschen unterschiedlicher Herkünfte, Altersstufen und Hintergründe treten herein und sehen die Wände voll mit Namens-Vorschlägen für den partizipativen Supermarkt. Sie lernen sich kennen, diskutieren, gründen einen Verein und wählen eine Vertretung (Vorstand). Damit gibt es eine juristische Person, die sich für den partizipativen Supermarkt einsetzen kann, als Bau-Werkzeug.

Im Diskussionsprozess wurde erklärt:

  • in dem zukünftigen Supermarkt können NUR Genossenschafts-mitglieder einkaufen.
  • der zukünftige Supermarkt wird ein Voll-Sortiment haben (wenn er voll in Betrieb ist)
  • alle Einkaufenden werden auch mitwirken (mit wenigstens 3 Stunden in 4 Wochen). Sei es beim Einschlichten der Regale, an der Kassa, beim Putzen oder einer anderen Tätigkeit, wo gerade Bedarf ist – nach Vereinbarung.
  • alle Mitwirkenden werden mitentscheiden WAS es im Supermarkt zu kaufen gibt.
  • wir wünschen uns 3.000 Genossenschaftsmitglieder in einer Stadt mit 1,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Danke denen, die da waren fürs Kommen und Vertrauen. Danke für die Klärungen. Danke denen, die nicht kommen konnten für ihr Interesse. Kommt nächstes Mal.

Orchesterprobe 2020 Nikkolo Feuermacher

Orchesterprobe. Bild: Nikkolo Feuermacher 2020

KyoDoYa Nikkolo Feuermacher 2020

Namensvorschlag: Partizipativer Supermarkt auf Japanisch

Mitgliederzeitschrift Superquinquin, Lille Frankreich, Foto: Stuff Klier

Superquinquin
der Supermarkt dessen Held Du bist
Foto: Stuff Klier

Klaus Kirchner ist Mitglied des partizipativen Supermarkts Superquinquin in Lille / Frankreich, wo er im Oktober 2019 eine Woche lang jeden Tag mit KollegINNen aus allen Bereichen sprach. Stuff Klier und Nikkolo Feuermacher haben ihn begleitet.

Superquinquin Lille, Foto: Stuff Klier

Die Woche-D-Donnerstag-Morgen-Partie im Gespräch
Foto: Stuff Klier 2019

Superquinquin Lille France 2019

Foto: Stuff Klier 2019

bitterernst.at berät und begleitet die Gründung und den Start eines Partizipativen Supermarkts in Wien  – Mitarbeit und Informationen über einen Kommentar unten möglich.

„Warum arbeitest Du in diesem Supermarkt?“

Darauf antworten Menschen im Superquinquin:

Anfang Oktober 2019 war Klaus Kirchner bereits mit Irmgard Kirchner in Paris und sprach mit der Miteigentümerin Elisabeth Cheval von La Louve / Die Wölfin.
Danke an alle UnterstützerINNEN der Reisen!

la louve Paris, foto: irmgard kirchner 2019

LA LOUVE / Die Wölfin – partizipativer Supermarkt in Paris Oktober 2019.
Foto: Irmgard Kirchner

la louve paris, foto: irmgard kirchner 2019

Wie kann ich in diesem Supermarkt einkaufen?
– ich kaufe einen Anteilschein der Kooperative
– ich gebe alle vier Wochen drei Stunden meiner Zeit, damit der Supermarkt läuft
– ich nehme an den Entscheidungen teil
Foto: Irmgard Kirchner

la louve paris, foto: irmgard kirchner 2019

Öffnungszeiten:
– Dienstag bis Samstag: 9 – 21 Uhr
– Sonntag: 9 – 13 Uhr
– Montag: geschlossen
Foto: Irmgard Kirchner

Supermarkt-Ketten entscheiden durch ihre Listen oder ihr Auslisten darüber, welche Produkte zu kaufen sind. Sie setzen ProduzentINNen unter Druck und bestimmen, was gekauft / gegessen / genutzt werden kann.
Darüber sind nicht nur die BäuerINNEn in Österreich unglücklich. Partizipative Supermärkte, in denen die KundINNen den Supermarkt selbst betreiben, haben ganz andere Möglichkeiten:

      • Die KundINNen entscheiden, WAS nach WELCHEN KRITERIEN gehandelt wird.
      • Regionale, kleine ProduzentINNen können ohne Preis-Konkurrenz mit Massenprodukten ihre AbnehmerINNEN erreichen.
      • Waren in einer Qualität, die sonst nie in Supermärkten zu finden ist, können gehandelt werden.
      • Wenn keine Aktionäre, Banken oder Zwischenhändler mitverdienen müssen, können Preise freundlicher gestaltet werden.
      • Wer gerne weniger Geld für Bio-Lebensmittel zahlt, kann durch seine Mitarbeit viel günstiger einkaufen.

Superquinquin z.B. hat über 1.400 Kooperierende und betreibt einen eigenen Laden, der 5 Tage die Woche geöffnet ist.
La Louve bringt es auf täglich bis zu 100 Mitarbeitende, also über 3.000 Kooperierende insgesamt. Er ist ein soziales Kunstwerk.

Partizipative Supermärkte sind die Reaktion von Menschen auf Bevormundung. Es gibt sie bereits in Frankreich: Superquinquin in Lille, La Louve in Paris, Bees-Coop in Brüssel / Belgien und in New York / USA Park Slope Food Coop (seit 1973 mit heute über 16.000 Kooperierenden).

Was ist der Unterschied zwischen einem partizipativen Supermarkt und einer anderen Food-Koop?
Auch ein partizipativer Supermarkt ist eine Kooperative in der es ums Essen geht. ABER: „Wir sind ein Supermarkt mit 0 Kunden und 14.000 Mitarbeitenden.“ (schreibt die Park Slope Food Koop). In einem partizipativen Supermarkt bringen ALLE ihre Lebenszeit ein (in der Regel 3 Stunden / 4 Wochen). Davon kann man sich nicht freikaufen. Es gibt keine Trennung zwischen Menschen, die nur Geld zahlen und Menschen die putzen, kassieren oder Regale einschlichten. Dieses „Geheimnis“ macht den partizipativen Supermarkt aus und überlebensfähig. UND: es geht um einen Supermarkt und nicht um eine Abholstation. Ein Supermakt in dem zu den Öffnungszeiten jedes Lebensmittel ohne Vorbestellung auch in kleinen Mengen gekauft werden kann, spontan und individuell.

Stadt der Idioten

Bild: Nikkolo Feuermacher 2018

7 Gedanken zu “Partizipativer Supermarkt in Wien

    • Eine ProduzentINNEN-Genossenschaft ist sicherlich eine wunderbare Partnerin für einen partizipativen Supermarkt. Hansalim betreibt in Süd-Korea zwar auch eigene Supermärkte (in denen nur die Genossenschaftsmitglieder einkaufen können), aber diese Supermärkte sind aus unserer Sicht „einfach nur eine weitere Supermarkt-Kette“ und keine Alternative zu dem Ansatz, den wir verfolgen (siehe oben). Es spricht allerdings nichts dagegen Mitglied von mehreren Genossenschaften zu sein (ich bin glaube ich im Moment Mitglied von 5 Genossenschaften). Ihr könnt gerne auch bei uns mithelfen.

    • Gratulation nach Dresden! ABER: uns geht es in Wien nicht um einen Verein, der mehrere Bioläden mit neuem Geschäftsmodell betreibt, sondern: um 1 partizipativen Supermarkt, bei dem ALLE EigentümerINNEN sind, ALLE mitarbeiten und gemeinsam die Produkte im Sortiment aussuchen. Das ist ein wenig anders als das Dresdner Modell, aber auch ganz gut.

  1. Super, ich mache mit! – Neulich im Bio-Supermarkt an der Ecke habe ich versucht Nuss-Nougat-Creme einzukaufen. Überall war Palmöl hineingemischt. Drei Hersteller und fünf Geschmacksvarianten hatte ich zur Wahl. Auf allen Gläsern stand BIO, auf einem sogar VEGAN. Aber mit dem Palmöl hatte ich überhaupt keine Wahl. Dabei gibt es ausser Geldgier (das Produkt wird um eine Stelle hinter dem Komma billiger) keinen Grund Palmöl in eine Nuss-Nougat-Creme zu mischen. Früher dachte ich BIO hätte etwas mit „Bionier“ zu tun, mit „anders machen“, „Verantwortung übernehmen“. Heute denke ich: ich kann die Verantwortung für die Verwandlung des Urwalds von Borneo in Palmölplantagen niemandem anderen übergeben. Ich will selbst bestimmen welche Nuss-Nougat-Creme ich einkaufe. Nämlich eine ohne Palmöl. Im partizipativen Supermarkt kostet die mich sogar weniger als die Palmöl-Creme in der Bio-Kette an meiner Ecke.

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