{"id":2864,"date":"2011-04-11T17:50:15","date_gmt":"2011-04-11T16:50:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bitterernst.at\/wp\/?p=2864"},"modified":"2022-01-09T21:20:33","modified_gmt":"2022-01-09T20:20:33","slug":"gendergerechte-schule-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bitterernst.at\/wp\/gendergerechte-schule-2\/","title":{"rendered":"Gendergerechte Schule"},"content":{"rendered":"<h2>Gender Mainstreaming an der Schule<\/h2>\n<p><em>Mit Klaus Kirchner sprach Nikkolo Feuermacher.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Feuermacher<\/strong>: Herr Kirchner, gibt es eine &#8218;<em>Feminisierung des Bildungssystems<\/em>&#8218;?<br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Was es gibt, sind h\u00f6here und weiterf\u00fchrende Schulen, an denen der Anteil von Jungen &#8211; Burschen\/ Knaben\/ Buben\/ jungen M\u00e4nnern &#8211; an den Sch\u00fclerINNEn kontinuierlich abnimmt. Dort schrumpft der Prozentsatz an M\u00e4nnern im Lehrerkollegium und bei den MitarbeiterINNEn. Ebenso reduziert sich die Zahl m\u00e4nnlicher Absolventen und deren durchschnittliche Qualifikation. Der Notendurchschnitt der Abschlusszeugnisse m\u00e4nnlicher Schulabg\u00e4nger hat sich gleichfalls deutlich verschlechtert.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Da l\u00e4uten die Alarmglocken des &#8218;<em>Gender Mainstreaming<\/em>&#8218;?<!--more--><br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Ja, denn hier scheint eine Gleichstellung der Geschlechter nicht mehr gew\u00e4hrleistet.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Sie und ihre Initiative m\u00f6chten sich mit der Umsetzung von EU-Richtlinien<sup>1<\/sup> besch\u00e4ftigen?<br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Die EU-Richtlinien vom <em>Gender Mainstreaming<\/em> sind bereits in vielen Landesgesetzen entsprechend umgesetzt. Wir fragen, ob eine effektiven Gleichstellung an weiterf\u00fchrenden Schulen gew\u00e4hrleistet ist. Beziehungsweise &#8211; wenn dies nicht mehr der Fall w\u00e4re &#8211; mit welchen konkreten <em>Schulentwicklungs-Ma\u00dfnahmen<\/em> Gleichstellung hergestellt werden k\u00f6nnte.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Haben Sie denn belastbares statistisches Material, um die Benachteiligung von jungen M\u00e4nnern zu belegen?<br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Sie k\u00f6nnen gerne eine breite Recherche dazu machen oder einen Forschungsauftrag dazu vergeben. Das ist allerdings nicht unsere Aufgabe. Wir reagieren auf konkrete Anfragen und R\u00fcckmeldungen. Da geht es zum Beispiel um zertr\u00fcmmerte Toiletten, um zunehmende Gewalt unter Buben, um Bildungseinrichtungen, die sich ungewollt in M\u00e4dchenschulen verwandeln mit einem fast rein weiblichen Kollegium. Uns geht es darum, L\u00f6sungen und Strategien zu entwickeln, die Geschlechter-Gleichstellung an Schulen bewirken k\u00f6nnen. Unser Ziel ist nicht die Beobachtung einer Statistik.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Das h\u00f6rt sich an wie ein Kampf gegen Windm\u00fchlen?<br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Das wird es nicht werden. Wir denken an ein modellhaftes Projekt, bei dem auf unterschiedlichen Ebenen an einer Schule gearbeitet wird.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Welche Ebenen?<br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Leitbildentwicklung, Arbeit mit den P\u00e4dagogINNen, Angebote f\u00fcr MitarbeiterINNEN im Schulbetrieb &#8211; da sind zum Beispiel auch die Hausmeister wichtig und die Damen im Sekretariat. Es geht um Workshops in gemischten Klassen und um Workshops mit Burschen.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Und am Ende steht was? Die perfekte Schule?<br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Wir entwickeln Werkzeuge f\u00fcr die Steuerung von Geschlechter-Gerechtigkeit an Schulen. Am Ende unseres Projektes steht etwa eine Dokumentation, ein Handbuch, ein Blog, eine DVD, &#8230; &#8211; Anregungen, um von unserer Arbeit zu lernen und sie weiter umzusetzen. Das Projekt wird im Prozess ausgewertet, Prozess- und Ergebnisevaluierung finden parallel statt.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Ich vermute, Sie basteln an einem neuen M\u00e4nner- und Frauenbild? Ist das M\u00e4nnerbildung was Sie vorhaben?<br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Das M\u00e4nner- und Frauenbild an Schulen ist heterogen. Zwischen den Sch\u00fclerINNEN herrscht Heute eine hohe Diversit\u00e4t, auch kulturell. Das Projekt wird mit einem Ansatz von <em>Diversity Management<\/em> arbeiten, der Gender als einen grundlegen Teil von Diversit\u00e4t begreift.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Und das vermitteln Sie Sch\u00fclerINNEN?<br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Ja. Jugendliche mit Migrationshintergrund &#8211; zum Beispiel aus der T\u00fcrkei oder Russland &#8211; haben andere Vorstellungen von Geschlechterrollen. Es gibt kein homogenes M\u00e4nner- oder Frauenbild. Das ist der Ausgangspunkt f\u00fcr <em>Gender Mainstreaming<\/em> an der Schule, den es einzubeziehen gilt.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Wie lange soll das Projekt laufen?<br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Im Augenblick stellen wir uns etwa drei Jahre vor.<br \/>\n1. Kontaktaufnahme mit und Bestandsaufnahme von den Zielgruppen und Schulen, Vernetzung, Adaptieren unseres Konzeptes an die konkrete Schule.<br \/>\n2. Einsetzen der Tools, Workshops, Arbeit mit verschiedenen Angeboten &#8211; und Auswertung.<br \/>\n3. Fortsetzung der Angebote, Evaluierung der Angebote aus dem Vorjahr &#8211; Wirkungsanalysen, Vergleiche, Weiterentwicklung der Tools &#8211; Publikation.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Und wo, also in welchem Land, wird das stattfinden?<br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Beabsichtigt ist eine europ\u00e4ische Vernetzung w\u00e4hrend der Projektarbeit. Im Augenblick ist noch Verhandlungssache, ob wir in Deutschland oder \u00d6sterreich anfangen, ob wir ProjektpartnerINNEN aus Italien, Frankreich oder der T\u00fcrkei mit einbeziehen k\u00f6nnen.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Welche Organisation kann das denn umsetzen?<br \/>\n<strong>Kirchner<\/strong>: Wir denken bei der Arbeitsstruktur an ein Konsortium unterschiedlicher Organisationen<br \/>\naus den Bereichen Schulentwicklung, M\u00e4nnerberatung, Gleichstellungsarbeit, Lehrerbildung, Theaterp\u00e4dagogik, Sch\u00fclerINNENarbeit. So kann es zu Synergien und breiter Vernetzung kommen, das bedeutet: Nachhaltigkeit, Ausstrahlung und \u00dcbertragbarkeit des Projektes werden gest\u00e4rkt. Idee und Koordination kommen erst einmal aus unserem Team.<br \/>\n<strong>Feuermacher<\/strong>: Danke f\u00fcr die Vorab-Information. Ich bin gespannt, was passiert und werde Sie gerne n\u00e4chstes Jahr noch einmal befragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>[<strong><sup>1<\/sup>Der Amsterdamer EU Vertrag<\/strong> Art. 3\/2 von 1997, in Kraft getreten am 1.Mai 1999, sieht eine rechtlich verbindliche Gleichstellung von M\u00e4nnern und Frauen in der EU als durchgehendes Prinzip vor.]<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>[<strong>Klaus Kirchner M.A.<\/strong>, Supervisor \u00d6VS\/DGSv, Theaterp\u00e4dagoge, diverse Beteiligung an EU-Projekten, seit 2003 Fortbildner in Gender Mainstreaming f\u00fcr Bildungseinrichtungen und Berufsverb\u00e4nde, seit 1998 Trainer in Diversity Management f\u00fcr Unternehmen und \u00f6ffentliche Dienststellen, Schulentwicklung u.a. durch Gr\u00fcndungsbegleitung des Jena-Plan-Gymnasiums N\u00fcrnberg 2008\/2009.]<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gender Mainstreaming an der Schule Mit Klaus Kirchner sprach Nikkolo Feuermacher. 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